January 19, 2026

Sprachspiele vs. Mathematische puzzle

 Über Jahrzehnte hinweg galten Mathematische Rätsel und Denkspiele wie SChach als Testumgebung für Künstliche Intelligenz. Anhand des SChachspiels kann man grundlegende Algorithmen wie Minmax erläutern und geometrische Routenfindungsprobleme sind ideal um darüber Path planning algorithmen zu verstehen.

Allerdings haben diese klassischen KI Probleme einen großen Nachteil: sie blende das Thema natürliche Sprache aus. In einem Spiel wie das 15 puzzle Problem oder im berühmten Tictactoe Spiel gibt es keine Worte sondern es nur ein grid-Raster auf dem die Spieler Steine platzieren. Als interne Datenstruktur für eine Computerumsetzung wird folgerichtig ein Array verwendet womit das Spiel simuliert wird. Damit reduzieren sich mögliche Ansätze zur Entwicklung von künstlicher Intelligenz auf eine mathematisch-logische Sichtweise.

Neben den erwähnten Logikpuzzles gibt es eine zweite Kategorie von Gesellschaftsspielen die in der Informatik erst seit 2010 näher untersucht werden: Sprachspiele. Diese haben ihre Wurzeln weniger in der Mathematik sondern werden traditionell zum Erlenen einer Fremdsprache verwendet. Sprachspiele stellen ein Rätsel da was man nur lösen kann wenn man die Vokabeln der Fremdsprache beherscht. Eine mögliche Aufgabe besteht darin für das englische Wort "apple" die deutsche Übersetzung "Apfel" zu finden oder ein gezeigte Bilderkarte mit dem korrekten Wort zu annotieren.

Obwohl diese Spiele in einem Computer simuliert werden können werden sie bisher nur selten in der KI Forschung eingesetzt. Dies hat etwas mit der traditionellen Ausrichtung auf mathematische Probleme zu tun, weil die Informatik sich historisch bedingt von der Mathematik abstammt also sich primär um Zahlen und Formeln kümmert und weniger um natürliche Sprache, welche innerhalb der Geisteswissenschaft erforscht wird.

Es gibt Indizieren dafür dass ausgrechnet natürliche Sprache der fehlende Baustein ist um Künstliche Intelligenz zu erzeugen. Sprache ist kulturell bedingt ein Zeichen und Sinnsystem was auf die realität referenziert. Frühe Hieroglyphenschriften verwenden bilder und symbole anstatt Substantive, während moderne Sprache auf das lateinische Alphabet zurückgreifen. Der Vorteil von natürlicher Sprache und speziell deren schriftlicher Ausprägung ist, dass es sich um ein etabliertes Zeichensystem handelt was in Wörterbüchern kodifiziert ist. Man muss also nicht eine neue Sprache erfinden die zur Steuerung von robotern verwendet wird sondern kann das bekannte Englische Vokabular für diesen Zweck verwenden. Die einzige Modifikation besteht darin, dass in der Robotik häufig auf einen Subset, eine mini language zurückgegriffen wird, der Roboter also effektiv nur 100 Worte versteht, ähnlich wie ein Textparser in einem Adenturegame.

Das besondere bei einem Sprachinterface ist, dass sich damit eine Fernsteuerung programmieren lässt die anders als eine joystick-Fernsteuerung über einen replay modus verfügt. Man speichert die kommandos die ein Mensch an einen Roboter erteilt in einem logfile und kann das logfile dann später erneut an den roboter senden und dieser wird auf dieselbe Weise reagieren.

Obwohl derartige Roboter bisher nur selten in der Forschungsliteratur erwähnt werden und das Themengebiet des Symbolgrounding hochkomplex ist, lassen sich praktische Roboter mit erstaunlich wenig Aufwand realisieren. Im Grunde reicht es einen einfachen Parser zu programmieren, der 10 worte versteht wie "left, right, up, down, stop, status" und schon kann man an diesen Roboter längere Befehlssequenzen senden. Zugegeben, das Prinzip ist nicht wirklich innovativ, es ist identisch mit der Entwicklung einer domain specific language und wurde in der Robotik unter der Bezeichnung "Karel the robot" seit den 1980er verwendet. Das neue liegt eher darin, dass man auf dieses Hilfsmittel der natürlichen Sprache stärker fokussiert um damit eine vielzahl von Künstliche Intelligenz Aufgaben zu formalisieren.

Ein derartiger Roboter wird nicht über Algorithmen gesteuert sondern die Basis ist ein Englisch-Wörterbuch mit Verben, adjektiven und Substantiven. DIe kenntnis dieser Worte erlaubt es dem roboter statusmeldungen an den BEnutzer zu senden und von diesem Befehle zu empfangen. SYmbol grounding ist folgerichtig die autoamtsierung der Mensch-Maschine-Schnittstelle. ES geht weniger darum, den roboter als Maschine zu programmieren sondern der fokus liegt auf der Schnittstelle zur Außenwelt, also welche Daten an den roboter gesendet werden und welche der Roboter an die Umwelt zurückschickt.

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