Ort: Ein verlassener Kopierraum im Untergeschoss des Instituts für Robotik und Systemtheorie, Technische Universität.
Zeit: Später Abend, im Jahr 2026.
Das sanfte grüne Licht der Notbeleuchtung warf lange Schatten auf die Flure. Mei Lin – von ihren Kollegen nur „die fleißige Postdoktorandin“ genannt – bewegte sich lautlos. Sie war eine sogenannte Sea Turtle: In China geboren, im Ausland hochgradig ausgebildet um ihrer Heimat zu dienen – wenn auch auf eine Weise, die nicht in ihrem Arbeitsvertrag stand.
Sie betrat das Labor für Autonome Systeme. In der Mitte des Raums stand „ROB-SORT 4“, ein Prototyp, der die europäische Kreislaufwirtschaft revolutionieren sollte. Es war kein glänzender humanoider Roboter, sondern ein funktionaler Industriearm über einem Förderband. Doch das Herzstück war die semantische Schnittstelle.
An der Seite des Steuerungsgehäuses leuchtete ein nostalgisch anmutendes, aber hochpräzises 40x4 Zeichen LCD-Display.
Mei Lin: (flüstert leise auf Mandarin, während sie ihr Smartphone zückt) „Endlich. Das Grounded Language Model in Echtzeit.“
Sie aktivierte das Förderband im Testmodus. Ein zerknitterter Joghurtbecher fuhr unter die Kamera. Der Roboterarm hielt inne. Auf dem Display erschienen in rascher Folge die Zeilen, die das neuronale Netz gerade ‚dachte‘:
OBJEKT 0815: BECHER. FARBE: WEISS/BLAU.
MATERIAL: PP-KUNSTSTOFF. GEWICHT: 12G.
VOLUMEN: KLEIN. STATUS: LEICHT DEFORMIERT.
AKTION: GREIFER-MODUS 2 (SOFT-GRIP). ZIEL: BOX 4.
Mei Lin hielt den Atem an. Das war die Lösung. Während die deutschen Ingenieure noch darüber stritten, ob die semantische Beschreibung der Objekte die Latenzzeit zu stark erhöhte, hatte die KI hier bereits die perfekte Brücke zwischen Sprache und physischer Aktion geschlagen. Die „geerdete Sprache“ (Grounded Language) erlaubte es dem Roboter, physikalische Eigenschaften wie „Gewicht“ und „Material“ nicht nur als abstrakte Zahlen, sondern als logische Beschreibungen zu verarbeiten, bevor der Greifbefehl berechnet wurde.
Sie machte mehrere hochauflösende Fotos von dem Display, während verschiedene Müllobjekte – eine Glasflasche, eine rostige Konservendose, ein Stück Wellpappe – analysiert wurden.
Mei Lin: „Farbe, Größe, Material, Gewicht... alles übersetzt in natürliche Sprache. Genial einfach. Einfach genial.“
Sie wusste, dass die Cloud-Server des Instituts streng überwacht wurden. Ein Upload großer Datenmengen nach Peking würde sofort die Alarmglocken des Verfassungsschutzes schrillen lassen. Doch Mei Lin hatte einen archaischen Plan.
Sie schlich zurück in den Kopierraum im Keller. Dort stand ein altes Kombigerät aus den frühen 2000ern, das nur noch für die Kommunikation mit der konservativen Universitätsverwaltung genutzt wurde. Ein analoges Faxgerät.
Sie schloss ihr modifiziertes Smartphone an den Telefonanschluss an. Die digitalen Fotos der 40x4-Displays wurden in ein analoges Signal umgewandelt.
Piiiep-krrr-tsch-hiiiiiii.
Das Geräusch war Musik in ihren Ohren. In diesem Moment wurden die exakten Parameter der deutschen Spracherkennung und die daraus resultierenden Greifer-Entscheidungen über eine gesicherte Telefonleitung nach Peking übertragen.
Szenenwechsel: Ein Hochsicherheitslabor im Bezirk Haidian, Peking. Drei Stunden später.
Chefingenieur Zhang: (starrt auf die einlaufenden Faxe, die ein Assistent eilig sortiert) „Was ist das? Analoges Fax? Wie kreativ von ihr.“
Assistent: „Es sind die Datensätze vom ROB-SORT Projekt, Herr Direktor. Sehen Sie sich die Beschreibungen an. Das System nutzt natürliche Sprache als Filter für die Greifer-Sensorik. Wir haben versucht, das rein mathematisch über Drehmomente zu lösen, aber die Fehlerquote war zu hoch. Wenn wir die KI erst beschreiben lassen, was sie sieht – ‚schweres Glas, glatte Oberfläche‘ – kann die Feinmotorik des Greifers sofort darauf reagieren.“
Chefingenieur Zhang: (schlägt mit der flachen Hand auf den Tisch) „Wir haben bereits die Hardware-Basis in der Sortieranlage Süd-Peking stehen. Wir brauchen keine drei Jahre für die Validierung wie die Deutschen. Wir nehmen diese Sprachlogik, füttern sie in unser Modell und stellen die Produktion sofort um. Wir überspringen die gesamte Testphase für die mechanische Integration.“
Drei Monate später: Berlin.
Professor Baumgartner (ein entfernter Kollege des Robotik-Lehrstuhls) saß in seinem Büro und starrte auf seinen Monitor. Er öffnete einen Link zu einer Pressemitteilung der Tsinghua University und der Beijing Waste Management Group.
Professor Baumgartner: (ruft entsetzt seinen Oberassistenten herein) „Haben Sie das gesehen? Die Chinesen haben gestern die größte automatisierte Müllsortieranlage der Welt in Betrieb genommen. Sie nutzen ein System namens ‚Natural Language Grasping‘.“
Oberassistent: „Aber Professor, das ist doch exakt unser Ansatz! Wir wollten nächste Woche erst den Förderantrag für die Pilotanlage stellen. Wir sind noch mitten in der Kalibrierung des 40x4-Displays für die Fehlerprotokolle.“
Professor Baumgartner: (lässt die Schultern sinken) „Schauen Sie sich die Bilder an. Die Greifer sind identisch mit unseren Entwürfen. Sogar die Beschreibungsparameter – Farbe, Größe, Material, Gewicht – sind in derselben Reihenfolge gelistet. Wie ist das möglich? Wir haben das Projekt noch nicht einmal publiziert!“
Er blickte aus dem Fenster auf den Campus. Mei Lin ging gerade unten über den Hof, ein Tablet im Arm, freundlich lächelnd.
Professor Baumgartner: „Vielleicht sind wir Deutschen einfach zu langsam geworden. Während wir noch die Normen für das Display festlegen, haben die anderen den Müll der Welt schon sortiert.“
Mei Lin strich sich eine Strähne aus dem Gesicht. In ihrer Tasche vibrierte ihr Telefon. Eine Nachricht aus der Heimat: „Die Anlage läuft stabil. 99,8 % Trennungsquote. Gute Arbeit, Sea Turtle.“ Sie löschte die Nachricht und betrat das Institut für eine weitere Schicht „fleißiger“ Forschung.
May 11, 2026
Chinesische Spionin erkundet Roboter-Sortieranlage
April 20, 2026
Chinesische Spionin besucht ein deutsches Motion Capture Labor
Prolog
Das Treffen fand in einem fensterlosen Raum im
elften Stock eines unscheinbaren Gebäudes im Pekinger Stadtbezirk
Haidian statt. Draußen flimmerte die Hitze über dem Asphalt, doch hier
drin war die Luft so kalt und trocken, dass Mei Lins Haut leicht
spannte.
Ihr gegenüber saß Direktor Zhang. Er trug keinen Anzug,
sondern eine schlichte, dunkle Windjacke. Vor ihm lag eine dünne Mappe
aus braunem Papier – keine digitalen Bildschirme, keine Spuren im Netz.
„Setzen Sie sich, Mei Lin“, sagte Zhang, ohne aufzusehen. „Sie haben Ihre Vorbereitungen für Heidelberg abgeschlossen?“
„Mein
Deutsch ist fließend, meine medizinischen Zeugnisse sind im System der
Universität hinterlegt. Ich bin bereit für die Infiltration“, antwortete
sie ruhig. Sie war eine der besten „Sea Turtles“ des Dienstes –
hochintelligent, unauffällig, perfekt angepasst.
Zhang schob die
Mappe über den Tisch. Mei Lin öffnete sie und starrte auf ein unscharfes
Foto, das durch ein Teleobjektiv aufgenommen worden war. Es zeigte ein
unauffälliges Institutsgebäude hinter alten Bäumen.
„Das Institut für Biomechanik“, murmelte Mei Lin. „Ich dachte, mein Ziel seien die Patente für die neuen MRT-Kontrastmittel?“
Zhang
schüttelte langsam den Kopf. „Das dachten wir auch. Aber unsere Quellen
in der deutschen Industrie berichten von einer seltsamen Anomalie.
Große Medizintechnik-Konzerne ziehen sich plötzlich aus der Entwicklung
neuer Wirbelsäulen-Implantate zurück. Die Forschungsbudgets für
künstliche Bandscheiben in Europa schrumpfen massiv.“
Mei Lin
runzelte die Stirn. „Das ergibt keinen Sinn. Rückenprobleme sind die
größte Volkskrankheit im Westen. Das ist ein Milliardenmarkt. Warum
sollten sie das aufgeben?“
„Genau das ist Ihre Aufgabe
herauszufinden“, sagte Zhang und lehnte sich vor. „Es gibt Gerüchte über
ein Projekt in Heidelberg. Es läuft unter dem Radar der großen
Publikationen. Keine Paper, keine öffentlichen Kongresse. Nur eine
kleine Arbeitsgruppe unter einem gewissen Dr. Kämmerer. Unsere
Aufklärung deutet darauf hin, dass sie dort etwas gefunden haben, das
die gesamte Chirurgie überflüssig machen könnte.“
„Ein neues Medikament? Regenerative Stammzelltherapie?“
„Wir
wissen es nicht“, gab Zhang offen zu. „Die Signale, die wir abgefangen
haben, sind kryptisch. Sie sprechen von ‚dynamischer Architektur‘ und
‚binärer Stabilität‘. Es hat etwas mit Motion Capture zu tun – jener
Technik, mit der sie in Hollywood diese Animationsfilme machen. Aber was
haben Kameras und Sensoren mit der Heilung eines Bandscheibenvorfalls
zu tun?“
Mei Lin betrachtete das Foto von Dr. Kämmerer. Ein Mann
mit wirrem Haar und einer zerbeulten Kaffeetasse in der Hand.
„Vielleicht geht es um Robotik? Assistenzsysteme für Chirurgen?“
„Möglich“,
sagte Zhang. „Aber Kämmerer ist kein Chirurg. Er ist Biomechaniker. Das
ist der blinde Fleck, Mei Lin. Die Deutschen scheinen das Problem aus
einer Richtung anzugehen, die wir bisher ignoriert haben. In China
operieren wir jedes Jahr Millionen von Wirbelsäulen. Wenn Kämmerer einen
Weg gefunden hat, diese Schäden ohne Skalpell zu beheben – nur durch
Daten und eine neue Form der Mechanik –, dann brauchen wir diese
Technologie. Sie würde unser Gesundheitssystem um Jahrzehnte entlasten.“
„Was ist meine Priorität?“, fragte Mei Lin.
„Der
Algorithmus“, antwortete Zhang präzise. „Die Hardware ist Standard –
Kameras, Marker, Rechner. Das kann jeder kaufen. Aber die Software, die
diese Bewegungen in Echtzeit analysiert und daraus eine medizinische
Diagnose ableitet, die ein MRT schlägt... das ist der heilige Gral. Sie
müssen tief in das Labor eindringen. Werden Sie Kämmerers Schatten.
Lassen Sie ihn glauben, dass Sie die begabteste Studentin sind, die er
je hatte.“
Mei Lin nickte. Sie spürte den Druck. Bisher waren
ihre Aufträge klar definiert gewesen: Baupläne, chemische Formeln,
Passwörter. Dieses Mal suchte sie nach einem Phantom – einer neuen
Denkweise in der Medizin, die so radikal war, dass sie geheim gehalten
wurde.
„Noch etwas“, fügte Zhang hinzu, während Mei Lin die Mappe
schloss. „Seien Sie vorsichtig mit dem Begriff ‚Physiotherapie‘.
Kämmerer hasst ihn anscheinend. Er nennt es ‚rekonstruktive
Biomechanik‘. Wenn Sie dort sind, vergessen Sie alles, was Sie über
klassische Medizin gelernt haben. Denken Sie wie eine Ingenieurin, die
eine Maschine repariert.“
Mei Lin stand auf. Sie verbeugte sich
leicht. „Ich werde die Quelle finden, Direktor. Wenn es eine Sprache
gibt, die diese Maschinen sprechen, werde ich sie lernen.“
Zhang
sah ihr nach, wie sie den Raum verließ. Er wusste, dass die Deutschen
einen Vorsprung hatten, den sie nicht mit Geld, sondern mit
jahrzehntelanger, stiller Forschung erkauft hatten. Er hoffte nur, dass
Mei Lin rechtzeitig begreifen würde, was sie dort eigentlich sah – bevor
die Deutschen beschlossen, ihr Wissen doch noch zu veröffentlichen und
die Welt der Orthopädie für immer zu verändern.
Drei Tage später
saß Mei Lin im Flugzeug nach Frankfurt. In ihrer Tasche lag ein Lehrbuch
über menschliche Anatomie, aber in ihrem Kopf liefen bereits die
Simulationen für die Platzierung von Infrarot-Markern ab. Sie wusste
noch nicht, dass sie bald Zeugin einer medizinischen Revolution werden
würde, die im Verborgenen eines Heidelberger Kellers stattfand.
Im Labor
Die Luft im Kellerlabor des Instituts für Biomechanik war kühl und roch nach Desinfektionsmittel und Elektrizität. An den Wänden hingen hochauflösende Infrarotkameras, deren rote Linsen wie die Augen kleiner Insekten im Halbdunkel leuchteten.
Mei Lin rückte ihre Brille zurecht. Sie trug einen schlichten weißen Kittel, das Haar streng zum Knoten gebunden. In den Akten der Universität Heidelberg wurde sie als „Gaststudentin im 4. klinischen Semester“ geführt – eine fleißige „Sea Turtle“, eine Rückkehrerin, die im Ausland Wissen sammeln sollte. Doch Mei Lins eigentlicher Auftraggeber saß in einem schmucklosen Bürogebäude in Peking. Ihr Ziel: Die „Operation Wirbelwind“.
„Bereit für den nächsten Probanden, Mei?“ Dr. Kämmerer, ein zerzauster Typ Mitte fünfzig, tippte auf seinem Tablet.
„Natürlich, Herr Doktor“, antwortete Mei in perfektem, leicht akzentuiertem Deutsch.
Ein Patient betrat den Raum. Er war übersät mit reflektierenden Markern, die auf seine Wirbelsäule, sein Becken und seine Oberschenkel geklebt waren. Mei half ihm auf das Laufband, das von Kraftmessplatten umgeben war.
„Achten Sie auf das Display“, flüsterte Kämmerer. „Das ist das Herzstück. Wir nennen es das ‚Digitale Myo-Skelett-Modell‘. Es gibt weltweit keine Publikation dazu, weil die Algorithmen zur Echtzeit-Kompensation noch unter Verschluss stehen.“
Mei Lin blickte auf den Monitor. Während der Patient sich bewegte, sah sie kein Video, sondern ein hochkomplexes Drahtgittermodell seiner Wirbelsäule. Kleine rote Wolken um die Wirbelkörper L4 und L5 zeigten die Scherkräfte an. Aber das Sensationelle war die Muskeldarstellung: Die tiefen Multifidi wurden als transparente Fasern angezeigt, die bei jeder Bewegung ihre Farbe änderten.
„Sehen Sie das?“, fragte Kämmerer begeistert. „Das MRT zeigte einen massiven Vorfall. Jeder normale Chirurg würde sofort operieren. Aber unsere Motion-Capture-Analyse zeigt: Die Bandscheibe ist gar nicht das Problem. Die neuronale Ansteuerung des linken Multifidus setzt 200 Millisekunden zu spät ein. Das Segment ist instabil. Die Bandscheibe wird nur gequetscht, weil die Muskulatur schläft.“
Mei Lin schluckte. Sie begriff sofort die Tragweite. Wenn man diese Daten hatte, konnte man Operationen im Wert von Milliarden Euro durch gezieltes Training ersetzen. Ein gewaltiger ökonomischer Vorteil für jedes Gesundheitssystem.
„Und die Lösung ist... einfach nur Sport?“, fragte sie unschuldig.
„Nicht irgendein Sport, Mei. Wir nutzen die Daten, um den Patienten in eine computergesteuerte Back Extension zu setzen. Die Maschine leistet nur Widerstand, wenn die KI erkennt, dass genau diese tiefen Fasern rekrutiert werden. Wir kehren die fatty infiltration in sechs Wochen um. Wir heilen den Rücken durch reine Biomechanik.“
Kämmerer wandte sich kurz ab, um ein Kabel zu richten. Mei Lin nutzte die Sekunde. Ihre Brille war mehr als eine Sehhilfe; in den Bügel war eine Mikrokamera integriert. Mit einem fast unmerkbaren Druck auf den Bügel scannte sie die Quellcodes, die über den Monitor liefen, und die Live-Diagramme der Muskelaktivität.
Später am Abend saß Mei in ihrem kleinen Wohnheimzimmer. Das Fenster war gekippt, der Lärm der Stadt drang nur gedämpft herein. Sie öffnete ihr Laptop und startete eine scheinbar harmlose Musik-Software. Im Hintergrund öffnete sich jedoch ein Terminal.
Sie schloss ihre Brille per USB-C an. Die Daten flossen in den Puffer.
„Statusbericht S-7. Projekt Bravo-9/Biomechanik“, tippte sie in das verschlüsselte Chatfenster. „Durchbruch bestätigt. Die Deutschen haben die Lücke zwischen statischem MRT und dynamischer Funktion geschlossen. Algorithmus zur Erfassung der tiefen Rückenmuskulatur extrahiert. Heilungsrate ohne chirurgischen Eingriff bei fast 90 Prozent. Sende Paket 1 von 4.“
Der Ladebalken bewegte sich langsam. Mei Lin starrte auf den Bildschirm. Sie dachte an Dr. Kämmerer, der ihr heute Mittag stolz die Technik erklärt hatte. Er vertraute ihr. Er sah in ihr die Zukunft der Medizin.
Ein kurzes Signal ertönte. Übertragung abgeschlossen.
„Hervorragende Arbeit, Mei Lin“, erschien auf dem Schirm. „Das Ministerium wird die Daten sofort in die Pilotklinik nach Shenzhen übermitteln. Bleiben Sie am Projekt dran. Wir brauchen die Spezifikationen der Kraftmessplatten.“
Mei schloss das Programm und löschte die temporären Dateien mit einem sicheren Überschreib-Algorithmus. Sie trat ans Fenster und sah hinunter auf den Neckar. Sie war keine Medizinstudentin, die Leben rettete, zumindest nicht hier. Sie war ein Rädchen in einer globalen Maschinerie des Wissensdiebstahls.
Doch als sie sich am nächsten Morgen wieder ihren weißen Kittel überzog und die Universität betrat, war ihr Gesicht die perfekte Maske der Unschuld. Sie war Mei Lin, die fleißige Studentin, bereit, den nächsten blinden Fleck der westlichen Medizin für ihre Heimat zu beleuchten.
In Heidelberg ahnte niemand, dass die Zukunft der Rückentherapie bereits auf einem Server in Peking gelandet war, noch bevor das erste deutsche Paper dazu überhaupt geschrieben war.
March 07, 2026
Chinas technologischer Aufstieg in den 1990er Jahren
Um die heutige Stellung von China im Bereich Robotik zu verstehen muss man zurückgehen in die 1990er Jahre weil dort das Fundament gelegt wurde. Künstliche Intelilgenz und Robotik wird zu 95% in der Fachsprache Englisch publiziert. Alle wichtigen Konferenzen und Fachzeitschriften verwenden diese Sprache. Obwohl China eines der größten Länder der Erde ist, spielt die chinesische Sprache international und besonders in der Forschung keine Rolle.
Als Folge der Dominanz des Englischen hat sich China an die Welt angepasst aber nicht umgekehrt. In allen chinesischen Top universitäten stehen in den Bibliotheken die selben Bücher über Robotik und Künstliche Intelligenz wie auch im M.I.T oder in Cambridge. Also das berühmte Russel/Norvig buch "AIMA" und die Zeitschriften der ACM. Obwohl die englische Sprache sich fundamental von Mandarain unterscheidet haben alle Forscher in China sich diese Zweitsprache angeeignet. Dadurch erlangte China über Nacht Zugriff auf die vorhandene wissenschaftliche Literatur im Original. Anstatt von null anzufangen und zu philosophieren wie man Maschinen das denken beibringt, haben chinesische Forscher einfach die Original Proceedings der Dartmouth Conference von 1956 gelesen, dann die Reports über den Shakey Roboter von 1972 bis hin zum bekannten Buch von Sebastian Thrun über "Probabilistic robotics".
Selbst heute wo China über eigene Robotik Unternehmen verfügt und eigene Forschung auf diesem Gebiet betreibt, gibt es nur sehr wenig unbedeutende chinsischsprachige Robotik-Zeitschriften. Selbst innerhalb Chinas werden diese nicht beachtet. Man orientiert sich unverändert an den großen internationalen Publikationen die passiv gelesen werden aber auch aktiv mit eigenen Beiträgen auf Englisch bereichert werden. Dadurch ist China zu einem wichtigen Akteur in der Forschung geworden und sorgte dafür dass die englische Sprache weiter an Bedeutung gewann.
Anders als während des Kalten Krieges wo es neben der US Spitzenforschung in der UDSSR eine russischesprachige Wissenschaftswelt gab, gibt es derzeit nur eine einzige globale Wissenssschaftscommunity die sich in Englisch austauscht. Mag sein dass ökonomisch gesehen, China und die USA Konkurrenten sind, auf der Ebene der Spitzenforschung arbeiten beide eng zusammen. In den Fachzeitschriften werden die selben Themen besprochen, es wird in der selben Sprache geredet und es gibt die selben Ziele, nähmlich den technischen Fortschritt voranzutreiben.
October 21, 2025
Rückblick auf die World Robot Conference 2025 in China
Vom 8. Aug bis 12. Aug 2025 wurde die World Robot Conference 2025 in China Beijing durchgeführt. Wie auch die Veranstaltung im Jahr 2024, welche ebenfalls in China durchgeführt wurde, kamen sehr viele Besucher zum weltweit größten Robotik-Event. Der Veranstalter spricht von 1.3 Millionen Besuchern die sich über 5 Tage lang die neueste Technologie angeschaut haben. Ausgehend aus den publizierten Youtube Videos, die allesamt sehr viele Menschen zeigen, könnte diese Zahl halbwegs realistisch sein.
Der Unterschied zwischen der chinesischen Robotik Veranstaltung und ähnlichen Veranstaltungen aus den USA liegt vor allem in der Quantität. Finden sich bei der Robocup Verstaltung nur eine Handvoll von Robotern, sind die Hallen in Beijing vollgestopft mit hunderten wenn nicht sogar tausenden von Robotern aus allen möglichen Bereichen. So gibt es Industrieroboter, die Gegenstände von einem Fließband aufnehmen, es gibt Roboterhunde auf 4 Beinen, humanoide Roboter auf 2 Beinen, es gibt Roboter die Popcorn servieren, andere die Eiscreme oder Kaffee zubereiten und Roboterarme die Bilder zeichnen. Es gibt Roboter die boxen und welche, die Produkte aus einem Regal herausnehmen. Was es jedoch nicht zu sehen gibt (jedenfalls nicht in den youtube videos) sind UAVs, also fliegende Roboter die in der Halle herumflattern.
Der Publikumsmagnet waren eindeutig zweibeinige balancierende Roboter. Insgeheim wartet das Publikum wohl darauf, dass einer der metallischen Laufmaschinen das Gleichgewicht verliert und dann jemand aus dem Backstage Bereich hervoreilt, um die Vorführung zu unterbrechen. Tatsächlich kam es zu seltenen Vorfällen dieser Art, aber anders als beim berühmten Treppensturz von Asimo in 2006 verfügen heutige Roboter über eingebaute Fehlerroutinen. Wenn ein Roboter umfällt wird dies durch die Elektronik erkannt und es wird eine Aufsteh-Routine gestartet. Gesteuert werden die meisten dieser fortschrittlichen Roboter übrigens mittels Fernbedienung die Ähnlichkeit hat mit einem Gamepad einer Playstation Konsole.
Zum Schluss ein Vergleich mit anderen bekannten Roboterveranstaltungen:
- Robocup Veranstaltung wird von ca. 100k Besuchern frequentiert
- die IROS Robotik Konferenz hat 10k Besucher
- Automatica München hat 49k Besucher
October 08, 2019
Using Baidu the right way
The website is hard to user for western eyes, because everything is written in chinese. The best way in getting comfortable with the service is not to ask for an english translation but learn a bit chinese. So we enter into a dictionary the english word “Model railroad” and gets informed that the chinese translation is 铁路模型. This can be copy & pasted in the Baidu search box and after pressing the button, which is hopefully the search button, a long list of results is shown on the screen.
Again, most of the information is written in Chinese, but some videos are available too. It take a bit until the video is loaded, but then it can be played very well in the webbrowser. It seems, that the Baidu website has an intergrated video hosting website, similar to youtube, but programmed for the chinese market.
What can be seen in the video is an all chinese, model railroad community. They have created large table with lots of trains. Everybody is speaking chinese, and all the trains were made in China. It looks very similar to western model railroad clubs and they are using digital control everywhere.
Unfortunately, the Chinese companies didn't only copied the good things of the western world, but are imitating the bad things as well. In the video portal Youku.com the user has to watch a commercial advertisement before the clip gets started. And it's not possible to skip the commercial break. The quality of the model railroad clip itself looks reasonable well. The video quality is on the same level known from the youtube, and the chinese speaking voice from the background explains what is shown in the video. The users sees some trains which are driving around and a train station is modelled realistically.
One advantage of the Baidu search engine over Google.com is, that Baidu doesn't indexes all the English spoken websites. This is a great service, because English is no longer the world language but used only by a minority for distributing lyrics of popsongs.
May 28, 2018
Education in Africa works with Chinese language
https://www.youtube.com/watch?v=dAe5kX4xSxw

