Seit Juni 2026 ist das Textsatzsystem typst in der neuen Version 0.15 verfügbar. Die Installation gestaltet sich so dass man eine ausführbare Datei herunterlädt welche entpackt rund 55 MB groß ist. verglichen mit pdflatex was in Linux rund 2 GB benötigt ist das sehr wenig Speicher. Trotzdem haben die Entwickler es erneut geschafft mit dieser einzigen Datei alle wichtigen Gebiete abzudecken die man von einem LaTeX Nachfolger erwartet:
- 2 spalten satz
- blocksatz
- unterschiedliche Schriftarten
- automatische Inhaltsverzeichnisse
- Tabellen
- Bilder in unterschiedlichen Formaten wie jpg, svg, png usw.
Ehemalige LaTeX Nutzer werden bemerken, dass die typst Syntax deutlich einfacher zu verwenden ist. Es gibt wenig bis gar keine Zusatzpakete die man einbinden muss sondern alle wichtigen Funktionen sind in der ausführbaren typst Datei enthalten. Es reicht aus, einmalig sich in das Program einzuarbeiten, ein wenig mit float figures und Tabellensatz herumzuprobieren und schon kann man umfangreiche wissenschaftliche oder sonstige Dokumentationen erstellen. Die Lernkurve ist deutlich flacher als bei LaTeX, die Ausgabequalität ist vergleichbar hoch.
Typst füllt damit ein Lücke die frühere Linux Kommandozeilen tools wie asciidoc, pandoc oder HTML hinterlassen haben. Es ermöglicht die Erstellung von Dokumenten in einem Texteditor und ist damit weitaus besser für umfangreiche Texte geeignet als Libreoffice.
Die Zielgruppe von typst sind zweifelsfrei frühere LaTeX user, diese zu überzeugen auf die neue Software umzusteigen ist die größte Hürde. LaTeX ist bekanntlich ein sehr mächtiges Ökosystem was über Jahrzehnte gewachsen ist. Viele LaTeX User empfinden typst als Rückschritt, gerade weil es leichter zu benutzen ist und die Einstiegshürde senkt. Man muss weder mit dem troff System aus Unix vertraut sein, noch muss man eine rekursive Makrosprache lernen, sondern typst ist ähnlich wie Markdown für ein großes Zielpublikum entwickelt worden.
Vielleicht ein kleines Textbeispiel. Zuerst LaTeX:
\begin{enumerate}
\item erstes
\item zweites
\end{enumerate}
dann typst:
1. erstes
2. zweites
Hier noch ein Beispiel zum Einbinden einer Grafik. Zuerst LaTeX:
\usepackage{graphicx}
\begin{figure}
\includegraphics{lion.png}
\end{figure}
dann typst:
#figure(
image("lion.png", width: 6cm),
caption: [Lion],
)
Wenn man sich zusätzlich noch die Compilergeschwindigkeit anschaut mit der typst umfangreiche Dokumente inkl. Abbildungen in eine PDF Datei ausgibt so dürfte die LaTeX Community es schwer haben mit Argumenten zu überzeugen. Was bleibt ist die Tatsache, dass LaTeX das ältere und etablierte System ist während typst in einer frühen Version daherkommt und bisher nur selten praktisch angewendet wird.
July 06, 2026
Kurzbericht zu typst 0.15
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LaTeX
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