Zumindest bis in die 2000er Jahre wurde Künstliche Intelligenz so definiert, dass menschliches Denken mit Hilfe eines Computers simuliert werden soll. Aufbauend auf dieser Definition wurden mehrere Strategien und Algorithmen diskutiert, die jedoch das selbst definierte Ziel nicht zu erreichen vermochten. Der wohl erfolgreichste Algorithmus der KI Forschung bis zum Jahr 2000 war der bekannte Minimax Algorithmus um Schach von einem Computer spielen zu können. Dieser Algorithmus war so erfolgreich, dass er sogar Großmeister schlagen konnte. Nur, Minimax lässt sich nicht auf Robotik-Probleme verallgemeinern.
Eine neuere und weniger bekannte Definition von Künstlicher Intelligenz lautet dass es ein Zuordnungsproblem ist zwischen low level daten und high leven natürlicher Sprache. Dieses Zuordnungsproblem entsteht innerhalb der DIKW pyramide (data, information, knowledge, wisdom). Vielleicht ein kleines Beispiel:
Über Motion capture wird die Bewegung eines menschlichen Aktors aufgezeichnet. Die x/y/z position der Mocap Marker sind Daten und gehören zum Data layer der DIKW pyramide. Jetzt soll über Mustererkennungsverfahren ermittelt werden, welche Pose der menschliche Aktor gerade ausführt. Diesre kann gehen, rennen, sitzen oder springen. Diese Labels werden im Information layer der DIKW pyramide gespeichert. Aufgabe für die Künstliche Intelligenz ist es jetzt zwischen beiden layern eine Zuordnung herzustellen. Es geht also um die Frage wie eine mathematische Realität auf eine linguistische Realität projiziert werden kann.
Die naheliegende Frage lautet: Warum muss der mathematische Raum der Mocap Marker auf einen linguistischen Raum der textuellen Label projiziert werden? Kann man die Steuerung von Robotern nicht auch eleganter/einfacher beschreiben?
Die Notwendigkeit der Sprachlichen Enkodierung ergibt sich aus dem Kommunikationserfordernis. Es reicht nicht, die mocap Marker als x/y/z position zu speichern, sondern zusätzlich soll einem außenstehender Beobachter in natürlicher Sprache übermittelt werden, was genau der Aktor gerade tut. Ziel ist weniger ein System intern zu beschreiben, sondern Zielstellung ist mit einem 2. System zu kommunizieren.
KI Forschung bis ca. zum Jahr 2000 war geprägt von der closed system Hypothese. Ziel war stets das interne Funktionieren eines Computers zu optimieren durch bessere Algorithmen, schnellere Programmiersprachen oder spezielle Datenbanken wie Cyc. Im Gegensatz dazu verfolgt KI Forschung ab dem Jahr 2000 das Ziel, die Kommunikation zwischen zwei Systemen zu verbessern. Die Frage lautet stets: wie kommunizieren zwei Menschen miteinander? Wie interagiert ein Mensch mit einem Roboter? Welche Interaktionsspiele zwischen einem Speaker und einem Hearer gibt es?
Selbstverständlich ist die obige Beschreibung stark vereinfachend. Auch vor dem Jahr 2000 gab es Versuche die Mensch-Maschine Interaktion zu verbessern:
- 1968,SHRDLU natural language understanding by Terry Winograd
- 1987,Vitra visual translator
- 1998,Rocco Robocup commentator by Dirk Voelz
Man könnte z.B. SHRDLU als Vorläufer heutiger Vision Language action (VLA) Modelle beschreiben. Anzahlmäßig waren jedoch KI Projekte, die natürliche Sprache als Kommunikationsschnittstelle verwendeten eher die Ausnahme. Es war vor dem Jahr 2000 unklar, dass dies wichtig ist und es war unklar wie man eine solche Schnittstelle technisch realisieren könnte. Hinzu kommt dass ein interdisziplinärer Ansatz bestehend aus Mathematik und Lingustik vor dem Jahr 2000 unüblich war.
July 29, 2026
KI als Mapping problem in der DIKW pyramide
Labels:
DIKW pyramid
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