March 18, 2026

Nähere Bekanntschaft mit dem Typst Textsatzsystem

Die Typst software könnte man als Latex clone bezeichnen. Es ist das wohl ambitionierste Projekt mit dieser Zielstellung. Es ist deutlich mächtiger als z.B. lout oder Sile welche ebenfalls angetreten sind um Latex Konkurrenz zu machen.

Selbstverständlich ist dort alles anders und deutlich moderner. Der größte Vorteil von typst ist, dass man nicht 7 GB für die texlive installation benötigt sondern es reichen 50 MB auf der Festplatte aus. Zusätzliche fonts oder packages sind unnötig, weil typst die Linux eigenen Schriften verwendet und mit den default parametern für alle wichtige Aufgaben gerüstet ist.

Im screenshot ist ein Beispieldokument zu sehen inkl. zweispaltensatz, Inhaltsverzeichnis, einer Überschrift die über die ganze Seite geht, eingebundenen Bildern und Blocksatz. Man kann also vereinfacht sagen, dass typst als Ersatz für latex gedacht ist. Im besten fall erfüllt es genau dieselbe Aufgabe.

Die Stärken werden vor allem beim Erstellen von wissenschaftlichen Arbeiten sichtbar die im Normalfall sehr umfangreich sind und viele Gleitabbildungen enthalten. Ferner ist das Prinzip eines Textsatzsystem nützlich bei der Datenbank-Ausgabe, wenn man also CSV Daten als PDF rendern möchte.

In der Summe ist typst das bessere Latex, wenn auch mit einer großen Einschränkung. Der verwendete linebreaking algorithmus ist nicht etwa die Knuth-plass globaloptimierung sondern es ist ein simpler greedy algorithmus der auch in Libreoffice oder in lout verwendet wird. Als Folge entstehen gerade beim Spaltensatz unschöne leerräume zwischen den Wörtern. Hier ist LaTeX deutlich fortschrittlicher auch wenn es Ende der 1970er Jahren entwickelt wurde.

Man wird bei genauer Betrachtung noch weitere Nachteile von typst entdecken. Das Hauptproblem dürfte sein dass es kein LaTeX ist und damit inkompatibel zum bewährten Ökosystem. Nur, das ist weniger eine technische Einschränkung als vielmehr eine soziale. Das also die typst community anders funktioniert und andere Ziele verfolgt als die Latex community.

Um typst würdigen zu können muss man zunächst einmal die Schwächen von TeX kennen. TeX war mal bis ca. Ende der 1990er Jahre das führende Textverarbeitungssystem in der Informatik. Es war schnell, überzeugte durch eine hohe Ausgabequalität, war gut dokumentiert und war offen für neue User. Das ist heute im Jahr 2026 leider nicht mehr so. LaTeX hat heute ähnlichkeit mit einem verrosteten Tanker der groß und schwerfällig an die Vergangenheit denkt und mit geänderten Anforderungen nicht mehr schritt hält. Die vielzahl an LateX implementierungen wie pdflatex, xelatex, Lualatex, context, plaintex, Lyx usw. zeugen davon dass die Community sich aufgespalten hat. Es gab innerhalb des TeX universums durchaus Versuche sich zu erneuern wie z.B. durch das Overleaf projekt, was eine webbasiertes Frontend ist oder durch die Luatex engine, welche das Erstellen von SCripten vereinfacht. Doch wegen der erforderlichen Rückwärtskompatiblität wirken diese Projekte eher wie zusätliche Layer in einem chaotischen Ökosystem was ähnlich wie initd in Linux als obsolet gilt.

Anstatt innerhalb des Latex Ökosystems nach Veränderung zu rufen ist es wohl besser sich auf eine neue technische Basis zu fokussieren wie z.B. das typst Projekt. Diese Software ist effizienter, kann alle wichtige Formatierungsaufgaben erfüllen, benötigt weniger Speicherplatz und ist gut dokumentiert, das einzige was fehlt sind noch die Nutzer.


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